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Andacht

Judika Hiob 19, 19-27                                              21.03.2021

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder!

Es war bei der Generalprobe zur Uraufführung des Oratoriums „Der Messias“ im April 1742 in der Music Hall in Dublin. Die Sopranistin hatte mit der Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ begonnen. Da unterbrach der Dirigent, der gleichzeitig auch der Komponist Georg Friedrich Händel war, die Aufführung und sagte zur Sopranistin: „Gnädige Frau, Sie haben eine wunderschöne Stimme. Aber wissen Sie auch, dass ihr Erlöser lebt?“ Die Antwort der Sopranistin ist nicht überliefert. Und auch gar nicht, ob sich das exakt so zugetragen hat. Aber die Frage ist schon: Deckt sich das, was wir singen und sagen, mit dem, was wir auch glauben?

Schauen wir zurück. Viele Jahre vor Christus, lebte im Lande Uz ein untadeliger und aufrichtiger Mann. Sein Name war Hiob. Von ihm wird berichtet, dass er Gott fürchtete und das Böse mied. Er war, so steht es gleich am Anfang des Hiob-Buches, sehr reich. Nicht nur, dass er sieben Söhne und drei Töchter hatte, er besaß auch 7000 Schafe, 3000 Kamele, 500 Joch-Rinder und 500 Eselinnen. Auch seine Dienerschaft war groß. Aber trotz seines Reichtums war Hiob eine arme Socke. Er, der wohlhabende und untadelige Mann, hatte das Pech, Gegenstand einer Wette zwischen Gott und dem Satan zu werden. Der gottesfürchtige Hiob wurde von grausamen Schicksalsschlägen heimgesucht. Natürlich wollte er wissen, warum er so viel erleiden musste und warum sich Gott so ungerecht verhielt –, jedenfalls aus Hiobs Sicht. Hiob hat nie erfahren, dass er Objekt einer Wette war. Aber am Ende des Buches wird berichtet, dass er mehr als sein Hab und Gut zurückerhielt.

Die Hiob-Geschichte, die schon sehr irritierend ist, beginnt damit, dass eine Abordnung, zu der auch der Satan gehört, vor Gott erscheint. Im Laufe des Gesprächs provoziert der Satan Gott zu einer Wette. Er behauptet: Hiob kann man durch Unglück dazu bringen, Gott zu schmähen. Der Satan erhält von Gott freie Hand. Einzige Auflage ist, das Leben des Hiob zu schonen. Was passiert dann? Die Herden werden vernichtet. Die Söhne und Töchter kommen ums Leben. Hiob selbst wird krank: Er hat schreckliche Geschwüre und große Schmerzen. Aber er verflucht Gott nicht ein einziges Mal.

Dann erscheinen drei Freunde, um Hiob zu trösten: Elifas, Bildad und Zofar. Sie geben schlichte Antworten auf die Frage, warum Gott einen so rechtschaffenen Mann wie Hiob quält. Für den einen ist der Gedanke, dass Gott einen Gerechten schlägt, nur schwer vorstellbar. Er vermutet, dass Hiob etwas Unrechtes getan hat. Der andere, dem Hiob in unserem Predigtabschnitt antwortet, versucht Hiob davon zu überzeugen, dass sich sein Leid, ob verdient oder nicht, am Ende zum Guten wenden wird. Für den Dritten ist das alles einfach nur ein Geheimnis, dass eines Tages seinen Sinn enthüllen wird. Lässt sich Hiob trösten? Er macht immer wieder geltend, dass sein Leben untadelig ist. Letztlich lassen ihn die Argumente seiner Freunde immer nur an einem Gott zweifeln, der ihm solche Rätsel und Schmerzen schickt und der sich weigert, ihm zu sagen, warum. Aber dann steht mitten in dem Predigtabschnitt, in dem Hiob Bildad antwortet und über Gottes Züchtigungen klagt, dieser Satz: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.“

Für Hiob beginnt ein innerer Kampf. Er will Gottes Vorsehung in seinem Leben verstehen. Dabei wird ihm bewusst, dass er einen Mittler braucht, einen Erlöser, der zwischen Gott und ihm selbst steht: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder.“ Hiob ist eine Vorahnung auf Christus hin. Er ist einer, der unschuldig leidet. In der Passionszeit denken wir über Hiob nach. Und wir ziehen eine Verbindung zu Jesus.

Dienen, für andere eintreten, stellvertretend leiden – das ist das Thema des vorletzten Sonntags in der Passionszeit. Wir lesen bei Markus 14+15 wie sich Jesus vor dem Hohen Rat rechtfertigen musste und wie Pilatus ihn verhört. Es gibt ein Hin und Her zwischen dem Volk und Pilatus und dann zwischen Pilatus und Jesus. Dann wird Jesus von den Soldaten misshandelt und verspottet. Jesus, der in die Welt gekommen ist, um für die Wahrheit Zeuge zu sein. Dafür ist er geboren. Und wer das begriffen hat, wer auf der Seite der Wahrheit steht, hört Jesu Stimme.

So wie Hiob sie in einer weisen Vorahnung schon hören durfte. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Was hat die Sopranistin in Dublin 1742 wohl gedacht? „Das ist aber eine komische Frage, Herr Händel? Was soll das denn? Ich singe doch hier nur!“ Vielleicht hat der große Meister Georg Friedrich Händel dann geantwortet: „Ja klar, aber Ihr Singen ist doch ein Stück Verkündigung einer revolutionären Botschaft, die die Welt schon seit dem ersten Osterfest bewegt.“ „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Hiob wusste das. Und wir dürfen es auch wissen. Wir gehen damit einen großen Schritt auf Ostern zu, wo wir von dem Erlöser singen: „Jesus lebt, mit ihm auch ich.“ – Der Predigtabschnitt endet mit einer großen Sehnsucht, die Hiob nach seinem Erlöser hat. Fast klingt das wie eine Liebeserklärung: „Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“ Das kann auch das Sehnen und Hoffen für die christliche Gemeinde sein, für alle, für Sie und für mich. Amen.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Kirchengemeinde und Ihre Pfarrerin Corinna Luttropp-Engelhardt

Gebet:

Gott, unsere Klagemauer, wir rufen zu dir,

aber manchmal rennen wir auch gegen dich an.

Wir bitten dich für alle, die sich von dir verlassen fühlen,

die keine Hilfe von dir erkennen können und an ihrem Elend zerbrechen.

Gib dich ihnen tröstend zu erkennen und eile ihnen zu Hilfe.

Stilles Gebet – Vaterunser – Amen.

Lied: EG 97,1

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,

ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Kyrieeleison, sieh, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Pfarrerin mit Herz

Pfarrerin Corinna Lutropp-Engelhardt
An der Kirche 10
34225 Baunatal

Tel: 0561 – 494204
E-Mail: pfarramt.kirchbaunaundhertingshausen@ekkw.de

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