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Andacht

Erntedankfest  

Liebe Gemeinde!

„Aber wie soll das denn gehen hier in der Einöde?“ fragen die Jünger im Markusevangelium 8, 1-9. Es sind 4000 hungrige Menschen da, aber nichts zu essen. Ihre Hilf- und Ratlosigkeit ist mit Händen zu greifen. Wie soll das gehen? Es ist nichts da. Es ist spannend zu lesen, wie Jesus mit dieser Situation umgeht. Er sieht nicht auf das, was nicht da ist, sondern fragt: „Schaut doch mal nach, was da ist?

Wie viele Brote habt ihr?“ Da stellt sich heraus: Es stimmt nicht, dass gar nichts da ist. Sieben Brote finden sich, und einige Fische sind auch noch da. Das ist ganz sicher mehr als nichts. Doch andererseits, so denken wir: Was ist das schon angesichts einer solch riesigen hungernden Menschenmenge? Im Grunde doch so gut wie nichts, vernachlässigbar gering, gleichsam ein Tropfen auf den heißen Stein. Also, was soll’s überhaupt? Lohnt sich erst gar nicht, damit anzufangen! Da kann man doch von vornherein aufgeben!

Diese Haltung kenne ich auch von mir: Wer nicht einfach nur gedankenlos in den Tag hineinlebt; wem beim morgendlichen Lesen der Zeitung noch der Schreck in die Glieder fährt, wem die zahllosen Fragen und „Baustellen“ unserer Zeit zu Herzen gehen, wer die Größe der Not und der zu lösenden Aufgaben besonders wegen Covid-19 wahrnimmt, auch in der eigenen Kirchengemeinde, der möchte wohl manchmal am liebsten resignieren und aufgeben.

„Tu es nicht!“ erzählt uns die Geschichte von der wundersamen Speisung. Schaue niemals nur auf dich und sage: „Wie soll das denn gehen? Was kann ich denn schon ausrichten?“, schaue vielmehr auf Jesus und frage: „Was ist da?“ und fange an, dies auszuteilen.

Ein schönes Beispiel hierfür ist Henry Dunant (1828–1910), auf dessen Geschichte ich kürzlich stieß. Er war ein Schweizer Geschäftsmann und überzeugter Christ. Vor 161 Jahren (1859) – er war damals dreißig Jahre alt – wurde er während einer Geschäftsreise zufällig Zeuge der Schlacht von Solferino, wo das österreichische Heer unter Kaiser Franz I. gegen das Heer Napoleons III. von Frankreich kämpfte.

300.000 Mann standen sich gegenüber. Es ging um die Herrschaft in Oberitalien. So wichtig dieser Krieg damals sicher genommen wurde, so sinnlos war er – wie alle Kriege davor und danach.

Das Ergebnis, nachdem das Hauen und Stechen beendet war: 38.000 Verwundete lagen auf dem Schlachtfeld. Henry Dunant sah junge Männer schwer verletzt da liegen und hörte, wie sie schrien. Er organisierte einen Hilfsdienst aus Freiwilligen. Die Bereitschaft zu helfen war da – vor allem Frauen meldeten sich –, aber das medizinische Fachwissen fehlte natürlich. Das war für Dunant das Schlüsselerlebnis zur Gründung einer Vereinigung, aus der später das Rote Kreuz entstand. Dunant ließ sich durch das Elend und die Größe der Aufgabe nicht lähmen, er sagte nicht: „Was kann ich als Einzelner denn schon tun?“

Was er an finanziellen Mitteln besaß, war auch nicht mehr als die sieben Brote damals bei Jesus in der Wüste. Aber er ergriff die Initiative – und wenn man Menschen in der ganzen Welt heute nach dem Roten Kreuz fragt, wissen neun von zehn, was damit gemeint ist. Und Unzählige haben schon von seiner segensreichen Arbeit profitiert. Frage niemals „Wie soll das gehen? Was kann ich schon ausrichten?“, sondern stelle immer ruhig und gelassen die Jesus-Frage „Was ist da?“ Fange an, das, was da ist, einzusetzen und zu verteilen – und Gott wird für das Wunder sorgen.

Das Wunder von der Brotvermehrung aber sagt noch etwas: Es ist eine Gegengeschichte zur weitverbreiteten menschlichen Angst, zu kurz zu kommen. Wir wissen alle, dass es Brot nicht in unbegrenzten Mengen gibt. Mancherorts ist es äußerst knapp. Leicht wächst da die Angst, dass das wenige Brot nicht genügt, um alle zu sättigen. Diese Angst ist menschlich. Von dieser Angst ist es aber nicht weit zu einer lebensfeindlichen Haltung, die meint, nur dann sei ausreichend für mich da, wenn ich anderen etwas von ihrem Brot wegnehme.

Wir haben uns heute vor dem Altar versammelt, um Gott für die Fülle seiner Gaben zu danken. Wir wissen – oder ahnen zumindest –, dass unsere Lebensweise dazu beiträgt, dass viele andere hungern müssen. Es ist die Angst, nicht genug zu bekommen, es ist die Gier nach Leben, die Menschen dazu treibt, viel zu viel für sich zu nehmen, ja, unseren Planeten zu plündern, sodass unsere Kinder mittlerweile in der begründeten Furcht aufwachsen müssen, dass sie nicht mehr genug zum Leben haben werden. An Jesus können wir sehen:

Wer in der Geborgenheit der Liebe Gottes steht, wer wie Jesus in tiefem Gottvertrauen lebt, muss nicht ängstlich raffen, sondern kann großzügig und freigebig an alle austeilen – und das Wunder geschieht: alle werden satt.

Jesus, das Lebensbrot in Person, gibt uns das Brot in die Hand, damit wir es austeilen. Bis heute gebraucht er uns als seine Helferinnen und Helfer, um die Botschaft weiterzutragen. Wir haben alles, was wir brauchen, um den Hunger der Welt zu stillen. Nicht immer gelingt es uns. Oft meinen wir, es wäre besser, „auf sicher“ zu gehen und unser Brot lieber selber zu verzehren. Aber seit der wundersamen Speisung dürfen wir wissen: Wir sind nicht zum Raffen bestimmt, sondern dazu, bereitwillig und freudig auszuteilen, was wir haben. Wenn wir dies voll Vertrauen auf Gottes Güte tun, wird immer genug da sein, nein, jeder wird sogar mehr haben als vorher. Im Himmel wird das einmal für alle so sein. Das hat Jesus in zahlreichen Gleichnissen erzählt. Wenn wir unser Brot bereitwillig austeilen, sorgen wir für ein Stück Himmel auf Erden.

Mag sein, dass wir weithin dafür zu danken verlernt haben. Obwohl es uns so schnell über die Lippen geht: „Danke“. Über die Lippen, aber aus dem Herzen? Albert Schweitzer hat einmal gesagt: „Wollen wir einmal nur fünf Minuten nachdenken, was wir an versäumter Bezeugung der Dankbarkeit uns zuschulden kommen ließen, so wird uns angst und bange von allen quälenden Erinnerungen, die da vor uns aufsteigen. Wie wollen wir nur die anerkennenden Worte und die Briefe zählen, die wir versäumt, und die Besuche, die wir unterlassen haben! Verschiebe die Dankbarkeit nie! Bezeuge sie an dem Tage, an dem du sie empfindest!“ Wie dankbar werden diese Tausende gewesen sein! Sie wurden alle satt.

Bleiben Sie gesund! Ihre Pfarrerin Corinna Luttropp-Engelhardt

Gebet:

Gott, allmächtiger Schöpfer und himmlischer Vater, wir sagen dir Dank für alle Gaben, die wir aus deiner milden Hand empfangen haben und so reichlich genießen dürfen. Wir sagen Dank auch für alle Liebe und Fürsorge, die wir erfahren. Wir bitten dich: Befreie uns von aller Undankbarkeit und Unzufriedenheit. Amen.

Pfarrerin mit Herz

Pfarrerin Corinna Lutropp-Engelhardt
An der Kirche 10
34225 Baunatal

Tel: 0561 – 494204
E-Mail: pfarramt.kirchbaunaundhertingshausen@ekkw.de

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